KDT Muhr Franz (1904-1937)

Ein Problem besonderer Art tauchte im Jahre 1907 auf. Der Organist Reinisch hatte vorgeschlagen, für den Hochwürdigen Herrn Stadtpfarrer eine Namenstagfeier abzuhalten. Nun fragte man seitens der Feuerwehr Pinggau bei der Feuerwehr Friedberg an, ob diese daran teilnehme. Andernfalls könnte auch die Freiwillige Feuerwehr Pinggau an dieser Feier nicht teilnehmen, da zwischen beiden Vereinen seinerzeit die Vereinbarung getroffen wurde, bei solchen Angelegenheiten gemeinsam vorzugehen. Würde sich die Feuerwehr Pinggau bei diesem Anlass allein beteiligen, so dürfte das seitens unserer Nachbarsfeuerwehr wahrscheinlich als Aufdringlichkeit oder als Demonstration gegen diese aufgefasst werden, was bei der Hochachtung des Herrn Pfarrers doch besser zu vermeiden wäre, zumal auch eine einseitige Beteiligung den Herrn Stadtpfarrer gewiss nur kränken würde.
1909 entfiel der Feuerwehrball. Dies wurde damit begründet, dass die Lokalitäten des Herrn Gruber infolge des Eisenbahnbaues nicht zur Verfügung stünden und ein anderes geeignetes Lokal nicht vorhanden wäre. Ein Jahr später gewährte der Steirische Landesfeuerwehrverband eine Subvention in der Höhe von 20 Kronen. Daher wurde der Ankauf von 15 Wintermänteln und 15 Zwilchhosen für die Spritzenmannschaft beschlossen.

Die Freiwillige Feuerwehr Pinggau im Jahre 1910

Die Freiwillige Feuerwehr Pinggau im Jahre 1910

Auch 1911 wurde kein Feuerwehrball abgehalten. Man begründete das mit finanziellen Problemen und der Schwierigkeit, eine gute Musik zu bekommen. Bei einer Ausschusssitzung in diesem Jahr beantragte der Spritzenführerstellvertreter, die Alarmsignale bei Bränden den modernen Verhältnissen entsprechend zu ändern.
Am 20. August 1911 feierte man das 25-jährige Gründungsfest. Gleichzeitig wurde auch der Bezirksfeuerwehrtag abgehalten. Man beschloss, 500 Festabzeichen anzuschaffen, die von Ehrenjungfrauen verkauft werden sollten. Die Musik besorgte die Feuerwehrkapelle Friedberg, wobei kein Tanzkränzchen abgehalten wurde, sondern am Nachmittag und am Abend Platzmusik, zu dessen Zweck eine Dekoration angebracht wurde. Eine humane Geste war der Beschluss, aus dem erlös des Jubiläums 20 Kronen dem verdienstvollen Mitbegründer und ersten Schriftführer, Herrn Moritz Zmuegg, welchem ein Hauptverdienst an dem Zustandekommen der Pinggauer Feuerwehr zukommt, mit Rücksicht auf seine Notlage zu spenden.
Weiters leistete Herr Dr. Schröfl der Bitte Folge, der Wehr als Feuerwehrarzt beizutreten. Dieser Entschluss wurde bei der heutigen Sitzung freudig begrüßt.
Am 28. Jänner 1912 wurde im Hotel Greger endlich wieder ein Feuerwehrball abgehalten. Für die Musik (Friedberger Feuerwehrkapelle) wird der Betrag von 80 Kronen bestimmt. Für Entree wird pro Person 1 Krone, die Familienkarte mit 2 Kronen festgelegt.
Anno dazumal musste man für die Mitgliedschaft bei der Feuerwehr noch zahlen. Von ausübenden Mitgliedern wurden 1.20 Kronen für den Vergnügungsfond, von unterstützenden Mitgliedern 2.40 Kronen für den Hauptfond eingehoben.
Da die Wahl eines neuen Spritzenführers durchgeführt werden musste, wurde für den 16. November 1912 eine Generalversammlung einberufen. Der neu gewählte Spritzenführer, Herr Adalbert Lerch, stellte den Antrag, den bestehenden Feuerruf auf den fast in allen Orten üblichen Feuerruf Tra-ra abzuändern. An die Ortschaften Baumgarten, Rosenbichl, Koglreith und Schaueregg wurde eine Zuschrift zwecks Erbauung von Wasserbehältern gerichtet, da ansonsten eine wirksame Hilfe nicht möglich wäre. Herr Krautgartner erklärte sich bereit, die Gründung einer Feuerwehrmusik in die Hand zu nehmen. Weiters wurde der Antrag gestellt, dass jeder Steiger und Spritzenmann jährlich mindestens drei Übungen mitmachen müsse.
Dass es auch interne Reibereien gab, kann man dem Protokoll über die Ausschusssitzung am 16.3.1914 entnehmen. So musste sich der Spritzenführerstellvertreter M. für seine bei der Generalversammlung gemachten Äußerungen vor dem Ausschuss entschuldigen. Anschließend erklärte er sich bereit, seine Stelle zu behalten und wie bisher eifrig im Dienste der Feuerwehr zu wirken. Der Ausschuss erklärte sich hiermit zufrieden.
Im Frühjahr 1915 wurde der Hauptmannstellvertreter Franz Prenner beauftragt, bei einer am 1. April stattfindenden Versteigerung den zu kaufen beabsichtigten Mannschaftswagen um den Höchstpreis von 300 Kronen zu erwerben. Dazu einige Preisvergleiche: Laut einer Notiz in einem Haushaltsbuch bekam man für 24 Kronen ein Winterkleid, für 6 Kronen eine Schürze und für 1 Krone 30 heller 1 kg Zucker, etwas Germ und eine Zeitung.
In den Kriegsjahren musste die Feuerwehr Pinggau vornehmlich Wachdienst bei wichtigen Bahnobjekten wie Viadukten und Tunnels versehen. Weiters musste sie Wachmannschaften bei Straßensperren zur Automobilkontrolle stellen.
Die erste Generalversammlung nach dem Krieg fand am 2. Oktober 1919 statt. Wehrhauptmann Franz Muhr begrüßte die Heimkehrer und gedachte der gefallenenen Feuerwehrmitglieder. Der Mitgliedsbeitrag für ausübende Mitglieder betrug nun 5 Kronen, für unterstützende Mitglieder 8 Kronen.
Interessant sind zwei Notizen im Protokoll über die Generalversammlung am 27.5.1920. Anlässlich verschiedener, beim Brand des Hauses Geier in Dirnegg getaner Äußerungen seitens einiger Besitzer, darunter des vulgo H., soll an die Gemeindevertretung Pinggau herangetreten werden, damit der Feuerwehr seitens dieser Personen Genugtuung gegeben werde. Von den auswärtigen Besitzern soll kein Beitrag eingehoben werden, weil diese dann für die Feuerwehr unter allen Umständen eine Pflicht zur Ausrückung überallhin ableiten würden.
Am 27.8.1920 musste eine außerordentliche Generalversammlung einberufen werden. Der Grund war ungehöriges Benehmen des bereits einmal erwähnten Spritzenführers M. gegenüber dem Wehrhauptmann und dessen Stellvertreter, sowie Beleidigungen und Tätlichkeiten gegen einzelne Wehrmänner. Durch Abstimmung wurde Herr M. seiner Funktion enthoben, aber nicht ausgeschlossen.
1921 war die Verpflegungslage derartig prekär, dass kein Feuerwehrball abgehalten werden konnte, da kein finanzieller erfolg zu erwarten war und der Gastwirt sich außerstande erklärte, die Verpflegung der Musik durchführen zu können. Dies galt auch für die Jahre 1922 bis 1924. Im Jahre 1923 begründete man die Nichtabhaltung eines Feuerwehrballes auch noch damit, dass man sich mit den deutschen Brüdern, die durch den Einmarsch der Franzosen und Belgier im Ruhrgebiet in schwere Bedrängnis gekommen seien, solidarisch erkläre.
Gewisse Probleme scheinen immer dieselben zu sein. Bei der Generalversammlung am 24.1.1923 wurde beantragt, Rüstungen von Mitgliedern, die nie ausrücken, einzuziehen und neuen Mitgliedern zu übergeben.
Für die notwendig gewordenen Umänderungen und Reparaturen am Spritzenhaus wurden 20 Millionen Kronen veranschlagt. Die Geldentwertung machte sich schon bemerkbar.

Die FF Pinggau im Jahre 1925

Die FF Pinggau im Jahre 1925

1925 wurde eine Modernisierung der Feuerwehr beschlossen. Neben der Anschaffung von Saugschläuchen und Druckschläuchen beschloss man nach längerer Wechselrede die Anschaffung einer Motorspritze. In diesem Jahr rückte die Feuerwehr zu sieben Bränden und zur feierlichen Eröffnung der Haltestelle Pinggau an der Burgenlandbahn aus.
Im darauf folgenden Jahr konnten wegen fehlender Ausrüstung nicht alle Interessenten in die Feuerwehr aufgenommen werden.

Ein Zeitungsartikel berichtet über die 40-Jahr-Feier, die 1926 abgehalten wurde.

     

Bei der Generalversammlung am 23.5.1927 wurde eine Rettungsabteilung ins Leben gerufen. Der Mitgliedsbeitrag betrug in diesem Jahr 50 Groschen beziehungsweise 2 Schilling. Auch in Sachen Umweltschutz war die Feuerwehr Pinggau bereits 1927 tätig. So beschloss man zum Beispiel die Reinhaltung des am Platz herunterfließenden Baches.
Bei der Ausschusssitzung am 22.3.1928 im Gasthaus Fink berichtete der Wehrhauptmann über die Besichtigung einer Motorspritze der Firma Rosenbauer bei der Frühjahrsmesse in Wien. Der Kauf derselben wurde beschlossen. Kostenpunkt: S 7.600.-. Während Wehrhauptmann Muhr sich noch vehement für diesen Ankauf einsetzte, zeigte er durch seinen beabsichtigten Rücktritt bei der Generalversammlung eine gewisse Amtsmüdigkeit. Er begründete dies mit geschäftlicher Überlastung. Trotzdem wurde er mit 45 zu 1 Stimmen wiedergewählt. Da er die Wahl trotz dieses Vertrauensbeweises nicht annahm, wurde die Wahl überhaupt ausgesetzt und um Jahr verschoben. Herr Muhr blieb also Wehrhauptmann, doch delegierte er sämtliche schriftlichen Arbeiten an Herrn Luckabauer und Herrn Grill. Weiters wurde beschlossen, die umliegenden Ortschaften davon in Kenntnis zu setzen, Wassertümpel anzulegen, ansonsten es keinen Zweck habe, bei einem Brand mit der Spritze auszurücken.
Im August 1928 erfolgte die Weihe der Motorspritze.

Weihe der Motorspritze

Natürlich ließen sich Probleme innerhalb der Wehr nie ganz vermeiden. So musste Herr G. für sein bei der Spritzenweihe im berauschten Zustand gezeigtes statutenwidriges Verhalten gegen das Kommando schriftlich Abbitte leisten.
Die um ein Jahr verschobene Wahl wurde am 30.12.1928 durchgeführt. Herr Muhr nahm die Wahl zum Wehrhauptmann für ein weiteres Jahr an. Der Feuerwehrball 1929 brachte einen Reingewinn von S 350.-
Auf Initiative von Herrn Dr. Schröfl wurde nun der Rettungsabteilung mehr Aufmerksamkeit gewidmet. Mit der Erhöhung der Mannschaftsstärke auf 10 Mann sowie der Durchführung von Schulungen wurde begonnen.
Für den Feuerwehrball am 9. Februar 1930 verlangte man einen Eintritt von S 1,20 (Vorverkauf S 1.- ). Preisvergleich: 1 Semmel kostete 4 ½ g, ein Schokoladeriegel 10 g. Da sich bei diesem Ball die Feuerwehrmusik Friedberg besonders bemühte, beschloss man, jedem Musiker extra einen Betrag von S 3.- zu übergeben. Auch einige Feuerwehrmänner, die sich bei der Organisation des Balls besonders hervortaten, wurden mit kleinen Beträgen entschädigt. Während dieses Balls muss es zu größeren Streitereien gekommen sein, da der Feuerwehrmann G. vom Ausschuss aufgefordert wurde, vor den Chargen im Rüsthaus Abbitte zu leisten, widrigenfalls er mit dem Ausschluss zu rechnen habe. Wie weit das geschehen ist, ist nicht bekannt. Zu dieser Zeit schien es auch gang und gebe zu sein, dass sich Privatpersonen Geräte der Feuerwehr, wie z. B. die Leiter, nach Belieben ausborgten. Dies wurde nun untersagt, wobei auch der Zeugwart um eine Ermahnung nicht herumkam.
Vom 27. April bis zum 4. Mai wurde in der ganzen Steiermark eine Feuerschutzwoche mit dem Zweck, durch Übungen mit den Feuerwehren, aufklärende Vorträge usw. die Bevölkerung auf den großen Verlust, der durch die immer zahlreicher auftretenden Schadensfeuer dem Volksvermögen zugefügt wird, aufmerksam zu machen. Den Abschluss bildete eine große Schauübung am Nachmittag des 4. Mai 1930 beim Gasthof Notter und bei der Kirche. Dabei musste auch die Sanitätsmannschaft ihre Schlagkraft unter Beweis stellen. In diesem Zusammenhang machte der Feuerwehrarzt Dr. Schröfl auf die Gefahren durch die im Ort vorhandenen elektrischen Leitungen aufmerksam. Besonders die Rohrführer sollten darauf achten, nicht auf die Leitungen zu spritzen, da dies unter Umständen das Leben gefährden könnte. Einige Feuerwehrmänner sollten dazu ausgebildet werden, die notwendigen Abschaltungen im Transformator vornehmen zu können.
Anfangs der 30er Jahre kam es zum Generationswechsel. Verdiente Mitglieder, zum Teil noch Gründungsmitglieder, starben oder legten ihr Amt aus Gesundheitsgründen zurück (Jakob Ehrenhöfer, Anton Ehrenhöfer, Josef Bartsch, Ferdinand Krautgartner).
1931 war die FF Pinggau für die Abhaltung des 2. Bezirksfeuerwehrtages verantwortlich. In Anbetracht der allgemein schlechten wirtschaftlichen Lage, der vorhergegangenen Glockenweihefestlichkeit, des bevorstehenden, nicht zu umgehenden Festes der Markterhebung der Gemeinde Pinggau wird beschlossen, den Bezirksfeuerwehrtag im bescheidenen Rahmen abzuhalten. Aus diesem Anlass gab der Wehrhauptmann Muhr bekannt, dass jedes Mitglied der Steiger-, Spritzen- und Sanitätsmannschaft mindestens drei Übungen mitzumachen habe. Dies dürfte geschehen sein, denn bei einem Bericht über den am 26. Juli abgehaltenen Bezirksfeuerwehrtag teilte der Wehrhauptmann mit, dass sowohl die Schul- als auch die Brandübung und die Vorführung der Rettungsabteilung in der Verbandssitzung vollste Anerkennung gefunden haben.
1931 legte Med.Rat Dr. Schröfl seine Stelle als Wehrarzt mit der Begründung zurück, dass bei der Schaffung der Stelle eines Feuerwehrbezirksarztes die älteren Herrn Ärzte übergangen wurden. Dr. Schröfl schien sichtlich gekränkt zu sein. Es dauerte fünf Jahre, bie er sich wieder dazu überreden ließ, als Wehrarzt zu fungieren.
Bei der Markterhebung am 22. und 23.8.1931 hatte die Feuerwehr folgende Aufgaben zu erfüllen: Teilnahme am Festzug, am Empfang des Landeshauptmannes sowie Durchführung des Ordnerdienstes. Die Sanitätsabteilung hatte Bereitschaftsdienst.
Aus dem Bericht des Wehrhauptmannes für 1931 geht hervor, dass die FF Pinggau zu 5 Bränden ausrückte. Die Sanitätsabteilung trat dreimal in Aktion, weiters wurden 14 Übungen, davon zwei nasse, abgehalten.


Die zunehmende Motorisierung bereitete auch den Verantwortlichen der Feuerwehr Pinggau großes Kopfzerbrechen. Besonders die Straße von Wiesenhöf nach Pinggau wurde so manchem Kraftwagen, vornehmlich aber den Lastkraftwagen zum Verhängnis, wie man den Zeitungsberichten entnehmen kann.

    

Um auch hier helfen zu können, beschloss man, vom steiermärkischen Automobilclub folgende Geräte zu verlangen: 2 Winden für 7000 kg, 1 Flaschenzug 8 – 10 000 kg, 2 Bindketten a´6 m, lange Glieder mit Ringen und Haken, 1 fahrbare Tragbahre, Verbandszeug. Bedingt durch relativ viele Unfälle gab es 1934 32 Sanitätsausrückungen.
Ab 1933 wurde im Bedarfsfalle die neu gegründete Musikkapelle unter folgenden Bedingungen in Anspruch genommen: Gebühr pro Musiker S 1.-, Ausrückungen in Feuerwehruniform.
Nach längerer Pause wurde am 4. 8. 1935 wieder ein Gartenfest abgehalten. Bei einem Eintritt von 80 g pro Person erzielte man einen Reingewinn von S 519,70.
Am 18. und 19. Juli 1936 feierte man das 50jährige Gründungsfest. Folgendes Programm wurde festgelegt: 18. Juli Friedhofsbesuch, Fackelzug; 19. Juli Weckruf, Gottesdienst, am Nachmittag, Empfang der auswärtigen Wehren, Begrüßung der Festgäste, Brandübung, Gartenfest im Garten des Herrn Flor.
Am 18. April 1937 kam es zur Neuwahl des Wehrhauptmannes, da Herr Muhr auf Grund seiner langjährigen Tätigkeit und seiner Überlastung als Gemeindekassier seine Stelle zurücklegte. Allerdings waren vier Wahlgänge notwendig, bis Herr Lukabauer als neuer Wehrhauptmann feststand.
Am 8.8.1937 fand in Pinggau wieder ein Bezirksfeuerwehrtag statt.